Freitag, 11. Februar 2011

Aktionäre überflüssig

Der Bankier Carl Fürstenberg hat den berühmten Satz geprägt: „Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann noch Dividende haben wollen.“ Nun sind Aktionäre oder anders benannte Teilhaber ein notwendiger Teil dessen, was die Juristen eine „juristische Person“ nennen, womit sie sich nicht selbst bezeichnen, dafür haben sie viel zu wenig Courage. Aktionäre sind vielleicht nicht frech, aber meist lästig. Darum wurde auch das Aktiengesetz geändert, das Interventionsrecht der Aktionäre auf der Hauptversammlung eingeschränkt einschließlich der sich daran anschließenden Möglichkeiten von Anfechtung oder gar Prozessführung.

Die Verselbständigung der Unternehmensführer ist am deutlichsten an dem Wort „Feindliche Übernahme“ erkennbar. Da erdreistet sich doch ein anderes Unternehmen, das zum immer stärkeren Großaktionär wird, die Geschäfte bestimmen zu wollen in einer Weise, die den gegenwärtig Agierenden im Unternehmen (damit ist der Begriff Management elegant vermieden) einfach nicht passt. Nicht der oder die oder alle Aktionär(e) bestimm(t)en, sondern die besitzlose Gruppe der Unternehmensleiter.

Also ist es am günstigsten, überhaupt keine Aktionäre zu haben. Aber wie schafft man das, da sie doch Geld in die Kasse bringen? Die Lösung besteht in dem Engagement in einem Bereich, der sozial als nützlich angesehen wird, beispielsweise Sport, Verkehr oder Gesundheit.

Das Olympische Komitee ist doch eine großartige Einrichtung, sie gehört niemanden, kann weltweit bestimmen, die zukünftig Bestimmenden werden von den jeweils gegenwärtig Bestimmenden ausgewählt, man widmet sich einer angeblich wichtigen und sozial nützlichen Tätigkeit, hat zur Dämpfung möglichen Misstrauens eine Alibiveranstaltung, die noch sozialer ist (Para…), hat keine lästigen Inhaber, die nach dem Verbleib des erwirtschafteten Geldes fragen, ist weltweit von der ansonsten jeglichem Menschen belastenden Steuerpflicht befreit, versucht immer stärker eine eigene Quasistaatlichkeit aufzubauen (Legislative und Administration sind eins, die Jurisdiktion wurde einem Quasi-Höchstgericht übertragen), kurz es ist die perfekteste Umsetzung der Idee des Kapitalismus inklusive einer sozialen Rechtfertigung.

Die FIFA strebt dem nach, hat aber gegenwärtig einen haut gout, weil man es zu offensichtlich betrieben hat verbunden mit dem, was man früher Durchstechereien nannte, zudem ist die Nähe zu den professionalen Vereinigungen (erwerbbare Fußballclubs) näher als zu nationalen Sportverbänden, die meist ehrenamtlich handeln. Es ehrt den Kaiser, dass er sich daraus zurückgezogen hat.

Wer lobt nicht das Rote Kreuz, aber wer kontrolliert es, wie fest ist der Krankentransport mit seinen immensen Kosten (Dottore hat bei keiner Diskussion über die Reform des Gesundheitswesens gehört, dass auch die Krankentransporte Kürzungen hinnehmen müssten), wie weit der Blutmarkt in seinen Händen, wie monopolartig darf das Rote Kreuz agieren? Der ADAC nennt sich das Parlament der Autofahrer, was eine Frechheit ist. Er gehört sich selbst, dem wiederum Wirtschaftsunternehmen gehören.

BEATI POSIDENTES, glückliche Eigentümer (Dottore weiß, eigentlich heißt es Besitzer!), war die Empfehlung der Vergangenheit. Heute kann der glücklich sein, der ohne lästige Teilhaber, ohne wirksame Kontrolle seinen Reibach in einer solchen Einrichtung machen kann, Voraussetzung ist der richtige Stallgeruch und die Anpassungsleistung an die Ideologie der Institution.

Von sowas kann der Ackermann nur träumen.

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