Mittwoch, 5. Dezember 2018

Kleine Anmerkung zum besseren Verständnis der Frankfurter Schule II







Man kann nach der Lektüre dieser Sätze eine stille Identifikation von Teddie mit einem Wombat aus dem Kopf sich nicht schlagen. Possierlich also wollte er auch sein.




Kleine Anmerkung zum besseren Verständnis der Frankfurter Schule I







Verzückt schaut Teddie auf seinen rechten Fuß. Soeben ward ihm von Siegfried Kracauer ein Kompliment gemacht, seine Füße hätten die Form der griechischen Klassik. Erfreut hält er inne und betrachtet mit hoher Achtung sich.

Mittwoch, 21. November 2018

Das ist der Unterschied!


Jeder Mensch durchläuft nach seiner Geburt eine Ausrichtung an Normen. Da sind vor allem die Normen der physischen Welt, die Naturgesetze. Das biologische Geschehen des Stoffwechsels bringt die erste Kontaktaufnahme des Säuglings hervor, hat er Hunger, dann schreit er. Einige Zeit später ist es das physikalische Phänomen der Gravitation, das in der Form der Erdanziehung hier regiert und den aufrechten Gang schon im tatsächlichen Sinne schwer macht. Bei einem Verstoß lernt das Kleinkind rasch, weil bisweilen schmerzhaft, dass es einen Reibungswiderstand gibt. Allen Naturgesetzen ist eigen, dass sie jeden Verstoß unnachgiebig ahnden, alles wird sanktioniert. Gnade gibt es nicht.

Komplizierter sind dagegen die gesellschaftlichen Normen, da sie in ihren Folgen abgestuft sind. Vorab sind es Verhaltensnormen, die dem Kind andressiert werden („das macht man nicht!“), später dann durchsetzt mit allgemeinen Gesetzen, die auch die Eltern befolgen müssen, zum Beispiel die von den Ländern erlassenen Schulpflichtgesetze. Fast immer „wächst man in die Normen herein“, ohne sie genauer zu kennen geschweige denn, sie jemals gelesen zu haben. Soziale Normen sind in den jeweiligen Gesellschaften sehr unterschiedlich, schon die körperliche Nähe zu einem anderen Menschen variiert, die Distanz ist in England erheblich größer als in den Ländern am Mittelmeer. Aber überall ist es so, dass die Menschen diejenige Normsozialisation, die sie durchlaufen haben, für das halten, was eben „normal“ ist. Es bedarf der ununterbrochenen Reflexion, um in anderen Zivilisationen nicht anzuecken.

Die Globalisierung bringt nun einiges durcheinander. Schon immer musste man sich in der Fremde gegenüber den Naturgesetzen so verhalten, wie man es gelernt hatte, aber bei den gesellschaftlich vermittelten Normen war das anders: Die bisher eigenen, antrainierten Normen musste man so weit beibehalten, wie sie nicht im Widerspruch zu denen der neuen Umgebung standen, die aber waren teilweise anders, manchmal sogar verstörend, fast immer irritierend. Langsam und mit erheblicher Vorsicht gelingt es meistens, sich in die fremde Normenlandschaft einzugewöhnen. Jedoch ist nicht nur der Wechsel des Aufenthaltsorts notwendig, um Normenkonflikte loszutreten.

Mohammed bin Salman al-Saud ist als Prinz aufgewachsen, er durfte fast alles, bei Tötung gab es ein festes Reglement, mit 500 Kamelen war fast alles wieder gut zu machen. Nun wähnte er sich im Kreise der übrigen Gewaltherrscher, muss aber feststellen, nur das Öl unter seinen Füßen bewahrt ihn vor weiterer Empörung und möglichen Sanktionen. Er wird alsbald auf der G-20 Konferenz die anderen Großkopferten fragen können, warum nicht auch er Herr über Leben und Tod anderer Menschen sein kann (deren Handlungsweise war an dieser Stelle vor kurzem in dem Post „Was ist der Unterschied?“ behandelt worden). Die werden ihm dem Sinne nach sagen, was man eben den kleinen Kindern vorhält: „Das macht man nicht!“ Im Vertrauen äußern sie dann: „Man lässt jemanden töten, aber nicht abschlachten, Dir hängen die orientalischen Eierschalen noch an der Kufiya!“ 

Tip von Dottore an den Prinzen für die Beseitigung des nächsten missliebigen Menschen:
1.      Einholung einer Fatwa, dass diese Kreatur nicht weiter leben darf.
2.      Gelinder Protest der Regierung dagegen, der Obermufti bestätigt jedoch das Urteil.
3.  Warnung an den Menschen über offizielle Kanäle, leider gäbe es in außersaudischen Ländern Hitzköpfe. Man bietet sogar eine Leibwache an.
4.   Einem nicht so sehr missliebigen Staatsbürger wird über kurzen Draht - um die Zahl der Mitwisser klein zu halten - bedeutet, dass er der Gnade der Führung wieder teilhaftig werden könne, wenn er sich an die Fähigkeiten der Assassinen erinnern und entsprechend handeln würde.
5.   Nach dem Geschehen wird dem Täter ein Lebensabend bereitet wie seinerzeit Idi Amin.

Der wirkliche Rat von Dottore sieht aber anders aus, weil er dialektisch ist: Lebenlassen, aber beobachten. Der Kritiker von heute ist der geeignete Vasall von morgen. Das ist zynisch, erspart aber Ausgrenzung, ist schlau, weil berechnend, bringt kurzfristig moralische Vorteile, langfristig größere Sicherheit. 

Aber der Bub aus Riad muss eben noch lernen!   

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Der 45.ste Präsident


Gerne, häufig und nutzlos regen sich die Zeitungsschreiber über den gegenwärtigen Präsidenten der USA auf, immer, wenn er eine neue Unverfrorenheit absondert, dann rauscht darüber der Blätterwald; so, als habe man sonst nichts zu berichten. Dottore versteht das nicht. Der 45.ste Wahlkönig unterscheidet sich nicht marginal von seinen Vorgängern. Er ist genauso eine Charaktermaske wie alle anderen Vierundvierzig. Die Väter der amerikanischen Verfassung fürchteten eines, das hat zuletzt Noam Chomsky klar dargelegt, nichts so sehr wie eine Volksherrschaft, die den Hebel (und Fetisch zugleich) der wirklichen Herrschaft auch nur anzutasten wagen würde, das Eigentum. Die vermeintliche Ochlokratie sollte verhindert werden, doch nun ist ein reicher Ochlokrat Präsident. Die Besitzlosen sollten nie wirklich das Sagen haben, dazu wurde die Ideologie entwickelt, „jeder sei seines Glückes Schmied“, jeder sei als Siedler oder Fabrikherr berechtigt, alles andere auszubeuten, die Natur, die Indianer, die zum gläubigen Stimmvieh degradierten übrigen Mitbewohner. Dazu gesellt sich eine Vorliebe zur Durchsetzung eigener Begierden durch Gewalt, schon vor fast 70 Jahren war „The violent US“ in einem braven Englischbuch Teil der Schullektüre von Dottore. Er muss feststellen: Es hott sich nix verännert!

Betrachten wir uns die sog. Lichtgestalten in der Reihe der Vorgänger, Kennedy, Carter und Obama. Der erste installierte mit entsandten Beratungsteams den alsbald folgenden Vietnamkrieg, zudem initiierte er den folgenlosen – trotz der Teflonpfanne – Wettlauf zum Mond. Carter war eigen, drum wurde er auch nicht wiedergewählt, ein klares Bekenntnis zum Recht des Soseins der USA hat er vermieden, wenigstens Integrität muss man ihm zugestehen. Dann der verunglückte Träger des Nobelpreises: Der wurde ihm für seine vollmundigen Wahlversprechungen verliehen, aber er hat es in 2922 Tagen nicht geschafft, die rechtlose Zone von Guantanamo zu eliminieren. Nun reist er glückverheißend umher, das einzige von Interesse wäre eine Analyse nebst Geständnis, warum er gescheitert ist, gemessen an den von ihm selbst gesetzten Vorgaben. Jeder Präsident der USA hat die Aufgabe, deren Macht und Einfluss zu mehren - zwangsläufig auf Kosten anderer, wobei traditionell Wirtschaftssystem mit Herrschaftsform bemäntelt wird, statt Kapitalismus heißt es Demokratie: die Lügen haben also eine lange Tradition.

Durchgesickert ist, Dottore war früher einmal Rechtsanwalt. Wenn er dabei belogen wurde, so war das nie für ihn ein ethisches Problem, zu gut konnte er sich vorstellen, warum der jeweilige Mandant in der wirklichen oder vermeintlichen Notsituation glaubte, mit einer Veränderung der Tatsachenlage heil oder wenigstens mild geschoren davon zu kommen. Das eigentliche Problem dabei war vielmehr die Person des probeweise Belogenen, nämlich Dottore selbst, der sich hundsgemein darüber ärgerte, für so dumm gehalten zu werden, dass der Lügenbold glaubte, ihm so etwas auf die Nase binden zu können. Das ließ sich dann meistens rasch klären. Nicht so schnell jedoch minimiert sich die Eitelkeit der Journalisten, bei jeder bewussten Unrichtigkeit empören sie sich, der Dummkopf im Weißen Haus hat doch bloß nicht verstanden, dass die Macht des auf vier Jahre zum Häuptling gemachten nicht allumfassend ist, vielleicht schafft er es, dass eine Mauer gebaut wird, aber die Erde dreht sich um die Sonne, wie schon Kopernikus und Galileo feststellten. Auch damals glaubte eine Institution, die Wahrheit verändern zu können, aber: „Eppur si muove“, selbst wenn er das nicht gesagt haben soll.

Der 22. Zusatzartikel der Verfassung der USA stellt sicher, allerspätestens ab Januar 2025 wird diese Lügenbacke Geschichte sein, eine letztlich lästig-amüsante Episode der Geschichte, dafür sorgt schon das Establishment.

Dienstag, 14. August 2018

Ponte Morandi zu Genua

Heute, 14.08.2018, ist um ca. 11.30 h die über den Torrente Polcevera bei Genua führende Brücke eingestürzt, offiziell war das Bauwerk Ponte Polcevera geheißen, im Volksmund wurde es nach dem Planer Ponte Morandi genannt.

Die Berichterstattung bedient den Bedarf nach „schrecklichem Schauer“ der Leser und Betrachter, viele erinnern sich, sie benutzt zu haben, Dottore vertraute im September 2017 zuletzt diesem Bauwerk. Bild 1 (aus Bing Maps) zeigt die Brücke von oben, zwischen dem zweiten „i“ von Ventimiglia bis zum „a“ der in der Mitte sichtbaren Bezeichnung „Ponte Polcevera“ ist sie nicht mehr.


In Google Earth kann man das Ganze näher sehen, der rot markierte Teil ist abgestürzt. Nach dem in der erwähnten Erdbetrachtung vorgegebenen Maß sind es ungefähr 230 m.


Nimmt man aus Wikipedia das Foto des Bauwerks, so erkennt man, dass der rot markierte Teil sich links und rechts des Pfeilers erstreckt, der in der Mitte des ungefähr 950 m breiten Tales liegt.


Den gleichen , nunmehr nicht mehr vorhandenen Abschnitt der Brücke ist auch auf dem vierten Bild zu sehen, deutlich stellen sich die einzelnen Sektionen der Brücke dar:


Über den Grundpfeilern, gleich, ob sie breit für einen Pylon ausgebaut sind, oder nur relativ schmal für einen reinen Stützpfeiler, ist der eigentliche Brückenkörper jeweils von größerer Stärke. Dagegen sind die Zwischenstücke, die dazwischen gehängt sind, etwas geringer in der Höhendimension, wie auf dem folgenden Bild farbig dargestellt.


Der in der Talmitte stehende Pylonpfeiler ist also eingestürzt, was zur Folge hatte, dass die auf dem entsprechenden Brückenteil aufliegenden, eingehängten Teile links und rechts ebenfalls hinabstürzten. In den Printmedien wurde bislang nur erwähnt, dass die Brücke ein Tal quere und dabei über Gleisanlagen und Straßen leite. Das ist unvollständig. In der Mitte des Tales fließt der namensgebende Fluss Polcevera. Er wird als Torrente bezeichnet, aber was ist ein Torrente?

Solche Flüsse gibt es im gesamten Mittelmeerbereich, bei uns heißen sie (meist in den Alpen gelegen) Sturzbäche. Bei heftigem Regen können sie ungeheuer anschwellen, weswegen ihnen auch meistens ein breites Flussbett spendiert wird, um eben Überschwemmungen zu vermeiden. Ansonsten rieseln sie harmlos vor sich hin, man ist geneigt, besonders im Sommer an der Vernunft derjenigen zu zweifeln, die solch breite Flussbetten aufrecht erhalten. Der Torrente hat aber noch einen Zwilling, nicht immer, aber öfters: das ist der Fluss mit fast identischem Verlauf wie an der Oberfläche, jedoch in erheblicher Tiefe. Das rührt daher, dass der Torrente meist loses Gestein, Sand und Kiesel, also wenig bindige Erde, bei den Sturzfluten mit sich geführt hatte, die nun teilweise tief im Flussbett unten ruhen. Also versickert das Oberflächenwasser leicht und ein unterirdischer Fluss fließt unerkannt, auch im Sommer, wenn oben alles ausgetrocknet erscheint. Solche unterirdischen Flüsse münden dann ins Meer, man erkennt dort den Wasseraustritt an dem kälteren Wasser und den umgebenden Schlieren, die sich ob der unterschiedlichen Salinität ergeben. Berücksichtigt man noch, dass das Mittelmeer in geologisch betrachtet jüngerer Vergangenheit eine erheblich tiefere Wasseroberfläche hatte, so ist nur zu leicht anzunehmen, dass der Torrente Polcevera sich im Laufe der Erdgeschichte ein sehr tiefes Flusstal geschaffen hat.


Verwunderlich ist das „Abkippen“ der Ruine des mittleren Pfeilers, der während des Einsturzes oder kurz davor eine Schrägbewegung gemacht haben muss. Die Oberstudienratszeitung „Die Zeit“ zeigt als einzige dieses Bild. Der Pfeiler hat sich offenbar nach Osten abgesenkt. Bemerkenswert wenig Baustahl ragt aus den Betonteilen.

Dottore ist weder Statiker, noch Bodenkundler, noch Prophet, aber er ist rechthaberisch. Eine leidige Eigenschaft, bei der es eben dem richtigen Rechthaber darauf ankommt, auch recht zu behalten, wobei dies nicht durch Negation des Widerspruches geschehen kann. Gleichwohl wagt er schon heute eine Prognose über die Einsturzursache: Der in der Talmitte stehende Pfeiler ist nicht ausreichend gegründet worden, nach langer Standzeit im Tiefengeröll gab sein Fundament nach. Dabei mag mitgewirkt haben – das kann man in diesem südlichen Land nie ausschließen –, dass auf wundersame Weise der Beton nicht ausreichend bewehrt worden ist, obwohl die Pläne dies vorschrieben. Baustahl ist teuer und begehrt, süditalienische Organisationen können auch in Genua die Hand aufgehalten haben. Ob dann offiziell das „Betonkriechen“ für die Ursache angegeben wird, wäre denkbar, ist aber doch zu oberflächlich.


Zu den neudeutschen Moralvorstellungen gehört es, „Gaffer“ zu verachten. Dabei werden wir ununterbrochen mit Ereignissen konfrontiert, die sich irgendwo in der Welt ereignen, unabhängig davon, ob sie irgendeinen Einfluss auf unser Leben haben oder nicht. Als Dottore vor Jahrzehnten eine Journalistin anhimmelte, da versuchte er ihr die Fragwürdigkeit der übermittelten Tatsachen damit zu erklären, dass alle vier Wochen ein Bus in Südamerika in eine Schlucht stürzt, die Presseagenturen uns damit pflichtschuldigst behelligen. Sie glaubte es nicht, aber dann schickte sie in regelmäßigen Abständen jeweils ein Fax mit der entsprechenden Meldung. Trotz richtiger Einschätzung wurde Dottore nicht erhört, sei´s drum.

Festzuhalten bleibt aber, dass wir in einer Welt leben, an der wir unsere Wahrnehmungen nicht unmittelbar anstellen, sondern immer mehr durch Mittel, eben Medien, kanalisiert werden. Ist es angesichts der Unmittelbarkeit des Geschehens nicht ein geradezu emanzipatorischer Akt, sich selbst nun ein Bild von den Sachen zu machen, die nun endlich vor dem eigenen Auge ablaufen? Es festhalten zu wollen, ist wiederum nur ein Akt der Vermittlung des Grauens, gar den Zutritt oder die Zufahrt Helfender zu behindern, krass verwerflich. Und so schauen sie denn zu, unsere südlichen Nachbarn. Ob auch die italienische Polizei diese Gaffer verscheucht?