Freitag, 15. November 2013

Nördlich und südlich der Alpen

Eigentlich, mit diesem Wort sei trotz seiner Sündhaftigkeit seit dem „Jargon“ begonnen, war die Reise unvorbereitet, ganz im Gegensatz zu sonstigen, die von den Protagonisten dieses Blogs unternommen werden. Natürlich stachen die Rundkirchen, besser Zentralbauten, in Oberitalien schon lange in den Nasen, aber eine präzise Erkundung ist umfangreicher. Und so begann die Fahrt etwas ins Blaue hinein.


Die Viehgangln waren schon lange ein Gegenstand der Betrachtung. Diese am Furkapass veranlassten Dottore, sich damit näher zu beschäftigen, zumal die Zunahme des Rinderbestands in der Türkei dort zu schweren Schäden an der Erdoberfläche führt. Rindviehhaltung ist und bleibt ein Zeichen des Wohlstandes, des wirklichen oder vermeintlichen, Kuhmilch ist das Getränk der Aufsteiger – bevölkerungsmäßig betrachtet. Die Gangln der Rindviecher verlaufen deswegen so waagerecht, weil die Wiederkäuer nur in dieser Lage in der Lage sind, den Nahrungsbrei von einem Magen in den nächsten zu befördern. Die Attraktivität ergiebigerer Rindersorten, die jedoch zugleich mehr wiegen, bedroht auch die Viehgangln in den Alpen. Ach, es gibt eben keinen Fortschritt ohne Gegenbewegung.


Seit dem ersten Besuch 1954 in der Schweiz ist dieses Land für Dottore – hier kreischt Pantalone dazwischen: „Für mich auch.“ – ein Hort der Präzision und Solidität. Als etwas später das politische Bewusstsein erwachte, hieß es: „Wenn Kapitalismus, dann Schweiz!“ „Na, Pantalone, auch wieder?“ „Ja, ja.“  Diese Geleise der Zahnradbahn in der Nähe der Rhonequelle spiegeln das wieder. Die Zahnstangen könnten in einem riesigen Chronometer ihre Genauigkeit beweisen, die Holzschwellen sind betagt, aber werden nicht großspurig gegen neue, gar aus Beton ausgetauscht. Man sieht nur das, was man kennt, meinte Goethe; man sieht aber auch das, was man sehen will, vermutet Dottore.


Weiter im Lob des Vorzeigelandes der gegenwärtig herrschenden Wirtschaftsideologie: Dazu gehört in jeder Art des Denkens ein gehöriges Maß an Konservativismus, leiten doch auch Revolutionen ihre Berechtigung aus der wirklichen oder vermeintlichen Wiederherstellung früherer Verhältnisse her, die Phrygische Mütze der Jakobiner! Hier nun wird der Kornspeicher, der der Rattenplage trotzen konnte, sicherlich nicht mehr in seiner alten Funktion benutzt, aber ein neues Dach stellt sicher, dass er noch lange Jahre das Auge des Passanten, und sei es im Vorbeifahren, erfreut. Man sieht eben gern, was man wiedererkennt.


Die mangelhafte Vorbereitung war die Ursache für diese Überraschung. In Martingny, dessen Französischer Ortsbezeichnung den keltische Namen bewahrt, sah Dottore plötzlich ein Gebäude, in dem die etruskischen Spiele abgehalten wurden. Obwohl die Etrusker große Liebhaber der attischen Keramik waren, so sehr, dass man lange Zeit nach den Funden in ihren Gräbern sie für die Schöpfer der Vasen hielt, hat nichts von der Abscheu der Griechen für diese Art der Menschenvernichtung auf sie abgefärbt. Die etwas südlicheren Barbaren haben es dann zu ihrer Lieblingserholung gemacht. Die Kategorisierung des Germanen als „ferox“ und „furiosus“ erscheint so als ein Musterfall der Projektion.


Das Gegenteil von anheimelnd sind Alpenfestungen, sowohl die Franzensfeste im Eisacktal wie das  Sperrfort Bard im Aostatal lassen einen auch im Sommer frieren. Wenn man jedoch nicht die Autobahn entlang huscht, sondern brav die SS 26 herunter trödelt, kann man hinter Bard, am Ortsanfang von Donnas diese römische Straße begehen, allerdings sind zuvor Parkprobleme  bewältigen. Wer hofft, die gleichen Steine wie die Römer zu treten, wird bei genauem Hinsehen diese Illusion begraben müssen. Sowohl an dem Meilenstein links, als auch am Fußbereich des Tunnels ist ein unbehauener Abstand von ca. 0,40 m zur Oberfläche des Weges erkennbar; die Spur der Eisenreifen ist 1,60 m breit. Steter Verkehr schleift die Wegefläche, diese und die Spur in ihm sind mittelalterlich, die Anlage selbst selbstredend römisch.


Seit Dottore in Jahre 1959 zu Füßen des Ben Nevis das erste Mal die Vorzüge von B&B, bed and breakfast, genossen hat, hat er öfters auf Reisen diese Art des Übernachtens gewählt. Aber noch nie war es so elegant, behaglich und kultiviert wie im Castello di Strambinello, etwas abseits der Straßen aus dem Aostatal in die Poebene, nahe der SS 565. Alles, was man bis dahin mit B&B verbunden hat, kann man getrost vergessen, man ist in einem Schlosshotel untergekommen. Nicht nur das Zimmer und das Frühstück boten ungeahnte Genüsse, noch mit einem Klavierkonzert erfreute die Tochter des Hauses den Gast während dieser Mahlzeit. Wer also nach der Überwindung des Großen St. Bernhard langsam in die italienischen Gefilde eindringt, etwas erschreckt ist von den Motocyclisti, die mit 90 km/h fahrenden Autos als feststehende Slalomstangen behandeln, der sollte, der muss hier den Einstieg in die Behaglichkeit des Landes beginnen. Wäre das Bild eine Postkarte, es fehlte das „Hier habe ich gefrühstückt“  nebst Pfeil beim Tisch mit dem roten Blumenstrauß.


Etwas oberhalb von Ivrea steht der Dom der Stadt, am Abhang saß, nein nicht Abraham a Santa Clara, sondern das Römische Theater, nun überbaut. Diese, heute unnützen Treppenstufen aus Granit könnten aus dem Theater stammen, zu leichtfertig sind sie verbaut, offenbar eben auch leicht aus der Ruine des Theaters entnommen. Spolie wird nur, was leichter zu erringen ist als das gleiche im Steinbruch. Im Übrigen kann man noch sehen, dass bisweilen guter Mörtel längerlebig ist als Ziegelstein (der Duden meints anders, aber der schaut nur aufs Maul der Volkes, gibt also lediglich Üblichkeiten und Maulfaulheit wieder; die Steigerung von lang und lebig ist länger und lebiger, aber was ist denn „lebiger?“).


Ach ja, die Rundkirchen, der eigentliche Plan. Das Baptisterion in Biella gehört nicht zu ihnen, da die Funktion ein kleines Gebäude rund ums Taufbecken verlangte. Zudem war den Ungetauften der Zugang zu einer Kirche verwehrt, also können die Taufkapellen keine Kirche sein, so haben sie eben auch keinen Altar. Aber dies hier in Biella war zu niedlich, um das Bild zu unterschlagen. Munter erhebt es sich zwischen der Kirche und den frühklassizistischen Bauten, der Türstock mit einem antiken Relief verziert.


So sieht es aus, wenn man bei Maggie und Helmut morgens aus dem Fenster schaut. Die wohlgeordneten Weinberge sind Pflicht, Barolo liegt 7 km entfernt. Oben, wo jetzt der Dunst des Sommers den Himmel weiß erscheinen lässt, kann man im Frühjahr und Herbst die Alpen sehen, vor denen sich Piemont ausbreitet. Da muss Dottore wieder hin. Wenn der aufmerksame Leser eine Identität der Helmute hier und in dem Post „Lenin und die Reichspost“ vermutet, so gibt es dafür 100 Punkte.


Das ist nun endlich eine klassische Rundkirche. Über die Herkunft dieses Bautyps kann man streiten, aber bei vielen, wie bei dieser, ist das Vorbild eindeutig. Die Pilgerreise ins Heilige Land hatte auch die Grabeskirche in Jerusalem zum Ziel. Theologische Unterschiede werden an ihrem Namen erkennbar: Die orthodoxen Christen kennen nur die Auferstehungskirche, nicht der Opfertod ist das Bemerkenswerte für sie, sondern die Überwindung des Todes. Aus der Zeit der Kreuzzüge gibt es viele Nachbauten im westlichen Europa; Teilnehmer, die sich auf dieses Unternehmen eingelassen hatten und „in der Scheiße“ saßen, gelobten, „wenn ich hier heil rauskomme, dann werde ich …“ . Dann ist meistens ein Nachbau der Grabeskirche herausgekommen, hier das Exemplar in Asti.  


Keine Rundkirche, aber eine Anlage, an der man nicht vorbeifahren darf, ist die Certosa die Pavia. Die eigentümliche Bauform rührt von der Vermischung der Lebensformen der Kartäuser her, die sowohl eremitisch als auch koinobitisch leben. Die Klosterräume mit Kirche sind Ort des gemeinsamen Lebens, an einem sehr großen, zweiten Kreuzgang sind einzelne kleiner Häuser mit vier Zimmerchen und einem Kleingarten angebaut, dort lebt der Kartäusermönch die übrige Zeit. Hier nun der Blick aus einem dieser Häuser auf den großen Kreuzgang. Der Eintritt ist wegen des Wechsels des Klosters an die Zisterzienser möglich, auch ohne Entgelt, jedoch steht am Ausgang ein Konverse indischer Herkunft, der ostentativ Eurobanknoten in der Hand hält; wer wird da schon ohne Spende vorbeigehen. Ob die Karthäuser auch „en eremos“ am leckeren Likör genascht haben?


Der Andrang der Pilger zum Petrusgrab hat die Erfindung der Krypta bewirkt, einen meist unterirdischen Raum, der zwei  Zugänge hat, einen zum Kommen und einen zum Gehen. Diese hier in Lenno am Lago di Como später gebaut als die in Rom, allerdings wurde dafür offenbar eine in der Nähe liegende Ruine einer VILLA LIMNATIS (das Latein nähert sich hier dem Raum, in dem üblicherweise Speisen hergestellt werden), jedenfalls sind nicht nur Spolien vorhanden, sondern auch breite Dachziegel, die im frühen Mittelalter zur Ausstaffierung der Gräber gedient haben. Dem Küster sei für seine Freundlichkeit am frühen Morgen gedankt.


Was zeigt man von einer beeindruckenden Kirche, wie es San Abbondio in Como ist? Die gemauerten Säulen des Mittelschiffes, die im Grunde Rundpfeiler sind, ihre Fünfschiffigkeit, die Ausmalung der Apsis? Dottore verweist als „Liebhaber alter Steine“ auf eine Partie am rechten Seitenschiff außen, die die Zweitverwendung mächtiger Quader aufweist. Die liebenswürdig einander zugewandten Klammerlöcher lassen alte Verbundenheit ahnen. Aber auch alles andere alte Baumaterial ist der neuen Form unterworfen.


Der vorige Papst meinte, das Fegefeuer müsse man sich nicht wie ein KZ vorstellen; es sei vielmehr ein Ort der Läuterung. Wahrscheinlich wird man ununterbrochen mit Diskussion bestraft, so stellte sich jedenfalls Wolfgang nach seiner Zeit als Theaterleiter solche Einrichtungen vor. Im 19. Jahrhundert neigte man eher der vorbenediktinischen Meinung zu, wie hier eindrücklich zu sehen ist. In dem Fegefeuer von San Fedele in Como wird man solange gebraten, bis ein Engel einen erlöst; es sei denn, man habe rechtzeitig gespendet, dann wird die Seele schon früher aus dem Feuer gesprungen sein. Der Bau von St. Peter hat doch auch so viel Geld gekostet, da hätte der Martin nicht so kleinlich sein brauchen.


Einst öffnete das mächtige Tor die römische Stadt Comum für die Besucher aus dem Süden. Brauchbar, wie es nun war, verrichtete es die gleichen Dienste für das frühmittelalterliche Como. Heute nun schmückt sich die Stadt mit ihm. Die abgebildeten Menschen mögen Pantalone das Bild nachsehen, jedoch jeder von ihnen ist nicht nur in dem Moment der Aufnahme festgehalten, ihre Haltungen erzählen ganze Geschichten.


Abgelegen, weit außerhalb im Feld steht in Alemno eine Rundkirche. Als Teil eines ansonsten verschwundenen Klosters war sie errichtet worden. Im August 2013 war sie eingerüstet, keine Besichtigung möglich, dem Vergehen wurde entgegengearbeitet. So nur ein Blick auf das Zierwerk an der Apsis, wie denn viele Architekten oder Bauherrn der Rundkirchen die Wucht und Eindeutigkeit des Baukörpers mindern wollten und zart eine Apsis anklebten.


In Brescia gibt es die dickste Runde, den Duomo Vecchio. Zwar kann er mit dem neuen nicht an Bauvolumen mithalten, aber seine Ausgestaltung berechtigt zur Eingruppierung in die Reihe der fetten Kirchbauten. Die runde Form hatte schon die Kirche zu Beginn dort, sie könnte, was beliebt war, über einer Römischen Therme mit ihren runden Einzelräumen errichtet worden sein, obwohl die Zahl der Pfeiler (acht) an die Grabeskirchennachbauten denken lässt, aber dazu ist sie zu alt. Jedoch gab schon vor den Kreuzzügen das Bestreben, diese Kirche nachzubauen, wie St. Michael in Fulda und die Krukenburg bei Karlshafen zeigen.


Dies Bild ist eine Fälschung. Im Originaldatenbestand steht auf der Seite noch eine bewegliche Bushalttestelle, der vierte Schirm links kam nach langer interner Diskussion hinzu. Die Nachschau in alten Negativen ergab, dass auch 1994 links kein Schirm stand. (Einwurf: „Alter Rechthaber!“) Wer das Schaffen von Andrea Palladio schätzt, der rechnet ihm auch die Gestaltung des Daches zu, wer sonst erlaubt sich in den historistischen Baustilen solche Fröhlichkeit.


Inmitten des auch durch die zona pedonale kaum reduzierten Verkehrslärms eröffnet sich im Kreuzgang von San Francesco zu Brescia eine Oase der Ruhe und Besinnung. Die Abkehr von Welt durch bauliche Mittel zu ermöglichen, ist eine genuine Leistung der christlichen Klöster. Solange die Abkehr eine zeitlich beschränkte ist, bleibt das dialektische Verhältnis von Koinon und Eremia erhalten, ist keine Weltflucht. Je karger das Innenleben ist, desto fraglicher stehen die heute aktiven Menschen solchem Ansinnen gegenüber, also viele. Dies ahnend, wird dann die nächste Flucht angetreten, die in exotische Esoterik. Summen statt sinnen.


Luthers Hinwendung zum Wort der Bibel, statt im Ritual der Liturgie zu verharren, war Überwindung der antikischen Religion, aber wollen alle Menschen das? Rituale schaffen Gemeinschaft, die Auseinandersetzung mit den Wörtern macht einsam. Wie stark ist die Tröstung dadurch in der Zeit der Pluralität von Einflüsterungen heute? Das ahnten die Vordenker der Gegenreformation noch nicht, sie wollten der Auslieferung an das eigene Gewissen die Pracht und den Augenschmaus entgegensetzen, das ist zumindest äußerlich gelungen. Allerdings tummelten sich beim diesjährigen Besuch in der Wies auffällig viele angetrachtelten Menschen besserer Stände dort; fast vermiesten sie den Aufenthalt dort. Aber für ihre Anwesenheit sie hatten für Ausgleich gesorgt: Ein begnadeter Organist spielte acht Minuten lang Variationen über „Freude schöner Götterfunken“, was beweist, dass auch protestantisches Gedankengut mit Rokoko zurechtkommt.


Nach intensiverem Umhersehen war Dottore klar, wer das Vorbild der Angetrachtelten war. Von den vier lateinischen Kirchenvätern, deren Statuen in der Kirche stehen, ist der Papst Gregor I. der ernsthafteste, wird aber dargestellt, als sei sein Lebensmotto: Fesch samer! Der arme Gregor, Urenkel eines Papstes, selber Mönch, hätte wohl weniger lasziv dagestanden, seinen Hirtenstab fester in der Hand gehalten, den kleinen Finger von der Bibel nicht abgespreizt. Auch solch dämliches Grinsen wird ihm nicht eigen gewesen sein. Vor 260 Jahren lockte die Ausstattung der Wieskirche die strammen Rechtgläubigen in ihre Mauern, heute die Touristen. Der süddeutsche Barock und das folgende Rokoko sind trotzdem nach dem evangelischen Norddeutschland gedrungen, aber Friedrich II hielt nicht viel von Religion, so konnte Sanssouci entstehen.   


In kalter Pracht steht in St. Blasien diese runde Kirche da. Der klösterliche Bau ist zu sehr vom Willen beeinflusst, die mönchische Abgeschiedenheit darzustellen. Große Leere tut sich auf. Nicht einmal die Vorschriften des Zweiten Vaticanums haben dazu geführt, dass der Mittelpunkt der Liturgie im Mittelpunkt der Kirche steht. Wahrscheinlich steht dieses Monstrum mit dem Charme einer Bahnhofshalle ziemlich leer da, würden sich nicht die verbliebenen Gläubigen besser um einen Altar in der Mitte scharen?


Als Dottore auf der Terrasse oberhalb von Breisach saß und über das Rheintal in die Vogesen schaute, das dachte er an „Cleversulzbach“ und „Sesenheim“, beide liegen woanders. Wieder wurde die Bridgekamera bemüht, es entstand ein etwas monochrom-bläuliches Bild. Die hinzugedachte Literatur machte es dann wieder farbiger. Nur der Baumwipfel ist deutsch, alles andere ist „Fronkreisch, Fronkreisch“.


In Maulbronn kann man noch immer sehen, warum Hesse diesem Bauwerk und dem in ihm herrschenden Geist entfloh, entfliehen musste. Den evangelisch betriebenen Kirchen mangelt  es am Weihrauchgeruch, sie sind auch nur ernst, Fröhlichkeit scheint eine Sünde zu sein. (Allerdings hat Dottore einmal vor Jahrzehnten die Besichtigung einer katholischen Kirche in Hildesheim anbrechen müssen, weil er unklugerweise in ein dort ausliegendes Traktätchen schaute.) Hoch über den irdischen Niederungen scheint in Maulbronn dieses Gartenhäuschen zu schweben, dort würde man sich himmlisch fühlen.

„Mit solchem Gesülze wird Dir eines Tages der Papst noch den Orden vom goldenen Sporn verleihen, mein geschätzter Dottore.“

„Was soll ich machen, wenn Du mir derartige Bilder vorgibst, ich werde den Orden mit Dir teilen!“  

1 Kommentar:

  1. Die Sündhaftigkeit des Menschen

    "Damit der Mensch gedeihe, muss es ihm möglich gemacht sein, sich in allen Lagen so zu geben, wie er ist. Der Mensch soll sein, nicht scheinen. Er muss immer erhobenen Hauptes durchs Leben gehen können und stets die lautere Wahrheit sagen dürfen, ohne dass ihm daraus Ungemach und Schaden erwachse. Die Wahrhaftigkeit soll kein Vorrecht der Helden bleiben. Die Wirtschaftsordnung muss derart gestaltet sein, dass der wahrhaftige Mensch auch wirtschaftlich vor allen am besten gedeihen kann. Die Abhängigkeiten, die das Gesellschaftsleben mit sich bringt, sollen nur die Sachen, nicht die Menschen betreffen."

    (Vorwort zur 3. Auflage der NWO, 1918)

    Silvio Gesell (1862 – 1930) veröffentlichte die erste vollständige Theorie zur Befreiung der Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) bereits im Jahr 1906. Sein späteres Hauptwerk "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" (1916), in dem alle makroökonomischen Zusammenhänge noch genauer beschrieben sind, wäre für die rein technische Verwirklichung des eigentlichen Beginns der menschlichen Zivilisation nicht mehr nötig gewesen – konnte aber, obwohl es "ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht", vom "Normalbürger", der sich gedanklich eben nicht in der Realität, sondern noch immer im "Programm Genesis" befindet, bis heute nicht verstanden werden. Es sind drei kulturelle Entwicklungsstufen zu unterscheiden, und erst heute erfolgt der Übergang von der zweiten zur dritten Stufe:

    Erste Stufe: zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld (Ursozialismus)
    Zweite Stufe: Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistische Marktwirtschaft)
    Dritte Stufe: Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus)

    Die Gedankenwelt des "Normalbürgers" im zivilisatorischen Mittelalter wird vom künstlichen Archetyp Jahwe = Investor im kollektiv Unbewussten gesteuert, der erfunden wurde, um die halbwegs zivilisierte Menschheit an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld anzupassen. Erst das Geld, als eine Universalware, die sich gegen alle anderen Waren tauschen lässt, ermöglicht eine entwickelte Arbeitsteilung und persönliche Freiheit durch Geldersparnisse. Solange das Geld aber noch fehlerhaft ist und die Gesellschaft in Herrscher (Zinsgewinner) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, kann auf die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe) und die damit verbundene Lügerei nicht verzichtet werden, um die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden und alle daraus entstehenden Zivilisationsprobleme einer hypothetischen "Sündhaftigkeit des Menschen" anzulasten.

    Einführung in die Wahrheit

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