Freitag, 7. Juni 2013

Über die Aberkennung von Auszeichnungen

1.
Horst Tappert hat nicht nur im Film den Chef der Bande gespielt, die den legendären Überfall auf den Postzug organisierte, er gehörte auch in der Realität einer Gruppierung an, die nun wirklich für unrichtiges Handeln sprichwörtlich geworden ist. Das hat in Deutschland lange gedauert. Amerikanische Rechtsvorstellungen mitsamt der amerikanischen Prozessordnung haben es den Deutschen jahrzehntelang ermöglicht, den Nürnberger Prozess als Siegerjustiz abzutun. Jedoch, wenn zuvor keine deutsche Justiz sich mit den Verbrechen beschäftigte, dann müssen es eben die Sieger tun. In diesem Verfahren war die SS insgesamt, mit Ausnahme der Reiter SS und des Lebensborns, als verbrecherische Organisation verurteilt worden. Das sagt nichts aus über ein Mitglied dieser Organisation, zumal einer Untergliederung, der Waffen SS, diese bestand aus Kombattanten, war jedoch zumindest für Kriegsverbrechen berüchtigt. Da Schuld nach kontinentaleuropäischer Ansicht eine personelle Eigenschaft ist, müsste dem „Ehrenkommissar“ vorwerfbares Handeln zumindest nahegebracht werden können, was bei der sowieso dilatorischen Behandlung der Untaten der Nazizeit durch die Justiz wohl kaum möglich sein wird. Die Jahrzehnte währende Verdrängung hat nun – zugleich mit zwei Generationenwechseln – dazu geführt, dass alles, was in die Epoche 1933 bis 1945 fällt, verdächtigt wird.

Man kann allerdings genauso wie auf die Fresse auch auf den Hinterkopf fallen. Wie faschistisch kehrte beispielsweise der Straßenfeger Ferdinand Kunze die ihm zugeordneten städtischen Verkehrsflächen? Was war das zutiefst faschistische seiner Kehrweise? Die aufsehenerregende Arbeit über die „Straßenreinigungskultur 1933 bis 1945“ hat uns darüber die Augen geöffnet. – Dass wirklich in den Köpfen der Historiker Fragwürdiges haust, dafür gibt der ansonsten doch so verständige Ian Kershaw ein Beispiel ab: Er zeigt bares Unverständnis für das Begehren einer Putzfrau des Polizeipräsidiums in München, die im August 1945 Restlohn für April 1945 einfordert, der Dreck des Präsidiums ist für sie doch im August doch genauso wegzuwischen wie im April.

In dem Film „Wir Wunderkinder“ rief  der SA-Mann: „Es brechen neue Zeiten an!“, antwortete der Toilettenmann „Jepinkelt wird immer!“  Wer 1949 nicht den Schneid gehabt hat, allen Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälten des Dritten Reiches die Titel und Pensionen abzuerkennen, weil sie die Euthanasie folgsam nicht verfolgten, gar Jahre später die entsprechende Ermittlungsakte verschwinden ließ, der darf Horst Tappert nicht ungeprüft den Ehrenkommissar streitig machen.

2.
In fremden Ländern herrschen oft Illusionen über die Aufgabe des amerikanischen Präsidenten. Ist ein Kandidat nicht ganz so rechts gewirkt, so wird er sogleich als liberal gepriesen, Dottore hat seinerzeit schon die Begeisterung für Kennedy nicht geteilt. Zu Recht, war er es doch, der den Vietnamkrieg erst richtig entfachte. Ähnlich waren diejenigen, die den Friedensnobelpreis vergeben, im Wahljahr des gegenwärtigen (Wieder-) Amtsinhaber besoffen von der Wahlpropaganda und hielten das Gesäusel im Wahlkampf für das Programm des Präsidenten. Selten ist die Welt so getäuscht worden. Weltweite Tötung von Menschen, die im Arkanbereich zu Feinden erklärt worden waren, sind ebenso „legal“, wie das ununterbrochene Abhören der gesamten Menschheit, soweit sie durch Netzwerke kommuniziert.


Der Nobelpreis wäre von Obama, hätte er nur eine Spur des Anstandes, den man ihm andichtete, umgehend zurückzugeben. Wenn er das nicht möchte, dann kann er den Preis teilen, um die eine Hälfte an „Big Brother“ wegen dessen Überwachungsfähigkeiten, die andere an Josef Stalin wegen dessen paranoider Verfolgungspraxis weiterzureichen.

3.
Das Elbtal hat wegen einer Brücke, die der entsprechenden Kommission missfallen hat, den Status Weltkulturerbe verloren. Nun gibt es im deutschen gar kein „das Erbe“, sondern nur den Nachlass, aber das ist eine andere Geschichte. Grundsätzlich ist daraus zu lernen, dass man derartiger Auszeichnungen verlustig gehen kann.



Seit Jahrzehnten steht ein Zelt über der Stelle, an der sich einst der relativ gut erhaltene Tempel des Apollon Epikurios erhob. Das Zelt schützt seit Anbeginn jedoch nicht den Tempel, sondern einen großen Portalkran, mit dem die Verantwortlichen den Tempel spielzeugartig auseinandernehmen und nach ihrem – natürlich streng wissenschaftlichen – Gutdünken wieder zusammenpuzzeln wollten. Im Zelt ist trotz der Abdeckung alles mit Flugrost bedeckt, der vom Kran stammt, außerhalb des Bauwerks verrotten die Haltegurte und anderen Aufbewahrungsutensilien. Die Steine draußen nehmen es gelassen, die im Innern träumen von einer leichten Rötung, so, als kämen sie vom Pentelikon.

 

Nun hat Griechenland sicherlich anderes zu bewältigen als die Wiedergutmachung einer von Anfang an verwerflichen Anastelosis. Jedoch ist der Status des Bauwerks als Weltkulturerbe nicht nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt, sondern schon seit Jahrzehnten anrüchig. Er ist abzuerkennen, wobei damit nicht ausgeschlossen wäre, ihn zu gegebener Zeit wieder zu verleihen. Zumindest der Flugrost wäre abzusaugen, das schreckliche Zelt einzupacken, der Kran abzubauen, die versetzten Säulen zu stabilisieren, das kann auch ein marodes Hellas machen.  

„Nun hast Du zwar genügend Bilder verwendet, aber es sind doch recht unterschiedliche Größenordnungen vorhanden. Ob Tappert „Honorarkommissar“ bleibt oder nicht, ist gemessen an den Allmachtsrealisierungen eines Obama doch unerheblich. Auch mit dem rostbesäten Tempel kann die Menschheit weiterexistieren. Ich finde, das kann man nicht in einem Post abhandeln!“

„Wahrscheinlich hast Du recht, aber das wunderbare Wechselbild von Obama/Bush hat mich dazu gebracht, einige schon seit längerem dräuende Gedanken niederzuschreiben, auf neudeutsch sagte man dazu „verschriftlichen“, was ein scheußliches Wort bleibt, selbst wenn der andere Nobelpreisträger G.G. es benutzt hat.“


„Du lenkst wieder ab, aber ich merke, Du weißt es schon selber.“

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