Montag, 29. April 2013

Vorschlag zur Selbstanzeige in Steuerstrafsachen


Der Diskussion um die Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung schadet der Tatbestand, dass die Straftat faktisch nur von wenigen Menschen begangen werden kann, die meisten Einkommensbezieher haben kaum die wirtschaftliche Möglichkeit, Gelderwerbe zu tätigen, die verschleiert werden könnten. Zudem sind die entsprechenden Straftäter dann noch in der Lage, sich aufwändig mit der Folge der Strafbefreiung beraten zu lassen. Nun ist Neid zwar eine der sieben Todsünden, sie zu leugnen, wird der sozialen Wirklichkeit nicht gerecht. Andererseits besteht ein legitimes Interesse daran, die reuigen Schäfchen zu melken (damit fällt Dottore noch gerade nicht aus dem Bild, gibt es doch Schafsmilch, wie die Köstlichkeit des Roquefort beweist), also zur Nachzahlung der hinterzogenen Steuern und zur Zahlung weiterer Nebenfolgen zu veranlassen. Dies wiederum entlastet alle Steuerzahler, auch die mit geringem Einkommen und Steuerlast. Zwar ist die strafbefreiende Wirkung bei Vergehen nach dem Ausmaß der Folgen begrenzt, jedoch ist diese Begrenzung wiederum eingeschränkt, mit 5 % zusätzlich der hinterzogenen Steuer kann man sich freikaufen. Alles in §§ 371 und 398a AO geregelt. Der Staat, der zur Abwendung der Privatfehde das Strafverfolgungsmonopol hat, ist eben auch ein zoon oikonomikon, ein wirtschaftliches Wesen, das Geld einnehmen will, zudem sollen viel verdienende Menschen nicht im Gefängnis sitzen, sondern ihre steuerträchtige Tätigkeit fortsetzen können.

Eines aber mögen die Menschen nicht, die finanziell zur Steuerhinterziehung in der wirtschaftlichen Lage sind, sie wollen nie Publikum, also muss alles im Arkanbereich verbleiben, das Steuergeheimnis und die Amtsverschwiegenheit sind die gesetzlichen Grundlagen dafür. Daher muss die Ahndung dort ansetzen: Letztlich schlägt Dottore einen Pranger vor, so wie jetzt schon der Fußballpräsident bestraft wird. (Dabei ist er schon bestraft genug, meint Dottore; zum einen ist der jugendliche Charme des damaligen Fußballers von einem Gesichtsausdruck verscheucht worden, der dem gleicht, mit dem das Nachrichtenmagazin „Time“ einst F.J. Strauß bezeichnete, zum anderen erscheint es fast jedem Menschen als Strafe, vierzig Jahre lang jede Woche mindestens ein Fußballspiel ansehen zu müssen, was dann in wollen umschlägt.) Dieses Breittreten des Vorganges in der Presse, die irrwitzigen Betrachtungen darüber, die soziale Distanz früherer Vertrauter, all dies beeinträchtigt das Wohlergehen des Delinquenten. Daher sollte § 398a AO wie folgt ergänzt werden:

Es wird ein Absatz eingefügt mit folgendem Wortlaut:

(2) Die Finanzbehörde ist verpflichtet, den Namen des Täters, seine Geburtsdaten, dessen Anschrift, die Höhe der hinterzogenen Steuern sowie die Höhe der insgesamt gezahlten Beträge in den örtlichen Presseorganen, einem überregionalen Zeitung zu veröffentlichen sowie allen übrigen Publikationsorganen mitzuteilen. Die insoweit anfallenden Kosten sind Teil der vom Täter zu tragenden Verfahrenskosten.

In der späteren Kommentarliteratur wird dieser Zusatz dann als „Hoenessklausel“ bezeichnet werden.

"Na, Pantalone, was meinst Du dazu?"
"Wieder keine Bilder!"

Samstag, 27. April 2013

Partielle und totale Blindheit


Seit Jahren versucht uns das ZDF einzureden, mit einem Auge sähe man besser als mit zweien. Wenn man wenig einsichtig ist, dann mag dies zutreffen. Alle anderen Menschen freuen sich jedoch, mittels ihrer zwei Augen perspektivisch sehen zu können, etwas, was nun erklärtermaßen dem ZDF abgeht, abgesehen vielleicht von der Sendung „Neues aus der Anstalt“. Aber schon viel länger sind Techniker bemüht, dem Menschen ihre Sicht der Welt aufzudrängen; meist ist dies bislang dann nach deren Ansicht notwendig gewesen, wenn der agierende Mensch hohen Geschwindigkeiten ausgesetzt ist, in denen er aber noch zielgerichtet handeln soll.

Der Fahrer eines Rennwagens (ein aussterbendes Wort in Zeiten allgemeiner Schnelligkeit) muss den Streckenkurs beobachten und zugleich die Instrumente im Cockpit. Nun braucht das menschliche Auge angesichts der Geschwindigkeit des Gefährts viel zu lange, bis es sich an die unterschiedlichen Entfernungen adaptiert hat; entwicklungsgeschichtlich brauchte das menschliche Auge bei knapp 40 km/h – der üblichen menschlichen Höchstgeschwindigkeit – nicht schneller zu sein. Um dieses Manko auszugleichen hatte man bei Porsche vor Jahrzehnten schon einmal den Drehzahlmesser vorn in die Fronthaube eingebaut. In Kampfjets wird Wichtiges in Grün auf die Frontscheibe projiziert, aber die Steuerung derartiger Geräte wird heute nicht mehr dem Menschen in Gänze überlassen, dieser bestimmt nur noch, wo es denn hingehen soll, für Einzelheiten ist er überfordert. In Kampfhubschraubern hat es sich nun bewährt, den Blick des Piloten zu teilen: mit dem einen Auge sieht er auf einen Bildschirm, der in einem brillenartigen Gestell vor seinem Auge hängt, das andere Auge wird noch für würdig befunden, das unmittelbar zu sehen, was man nur noch unter Vorbehalt mit „Wirklichkeit“ umschreiben kann.

Diese kriegerische Errungenschaft will nun Google als allgemeine Wohltat unter der Menschheit verbreiten, bislang sind erst wenige auserwählt, diesen Blick in einen vermeintlichen Fortschritt zu werfen. „Glass“ ist ein Gestell, das das rechte Auge dazu verleitet, nicht mehr die Welt zu betrachten, sondern deren Surrogat, eben das, was sich die Macher bei Google darunter vorstellen. Wäre es da nicht besser, gleich für beide Augen derartige Sichtweisen vorzusehen. Das rechte Auge kann – wie schon jetzt vorgesehen – der vergoogelten Weltsicht frönen, dieweil das linke noch so etwas auf das sieht, was als real geduldet wird. Mit zunehmender Vergoogelung ist nämlich daran zu denken, vor dem linken Auge eine Kamera einzubauen, deren Daten dann an das örtlich zuständige Google Data Center gesendet werden, dort in Bruchteilen einer Nanosekunde bearbeitet werden, um dann auf den linken Augenbildschirm übertragen zu werden.

Dem Vernehmen nach wird an einer Weiterentwicklung gearbeitet, wobei dazu Gehirnforscher involviert sind, später soll nämlich das umständliche Brillenscreening aufgegeben werden, sondern dem willfährigen und überglücklichen Googlemenschen werden Elektroden eingepflanzt, die in der Lage sind, nicht nur Bilder, sondern auch Gerüche, Empfindungen, Emotionen und sonstige Erkenntnisse zu vermitteln. Die Freiheit nehmen wir uns selbst, nicht nur die dümmsten Kälber … .    

"Sag einmal Dottore, wo warst Du denn so lange?" 
"Mich hat es wieder nach Griechenland gezogen, Du weißt, die Antike!"
"Keine Bilder für diesen Post?"
"Manchmal darf nur Text wirken, die Bebilderung ist auch eine Verbilderung, Bilder sind zu beliebig."
Pantalone (beiseite gesprochen): "Selten hat er recht, aber diesmal doch."

Freitag, 1. März 2013

Junge Hure - alte Betschwester


Es ist immer nützlich, die Klassiker zu lesen, das steht außer Frage. Die Lektüre der Schriften des Zeichners, Komponisten und Dichters E.T.A. Hoffmann macht da keine Ausnahme. Nun war der Autor auf eine für ihn selbst vertrackte Weise mit einem Beruf geschlagen, den des Richters an einem Oberlandesgericht, in Berlin traditionell Kammergericht genannt. Die insoweit erlittene deformation professionelle konnte er jedoch in seinem literarischen Werk aufarbeiten und umformen, so stellt der in seiner Erzählung "Meister Floh" geäußerte Satz: "Den Täter haben wir, das ist die Hauptsache, die Tat werden wir noch finden." eine glänzende Charakteristik der Tätigkeit staatlicher Ermittlungsbehörden – nicht nur damals – dar. 

Offenbar hat der Renegat Kraushaar E.T.A. Hoffmann gelesen, nicht aber die Ironie des Satzes verstanden. So kommt er zum Ergebnis, es handele sich bei dem Satz um eine Maxime der Ermittlungstätigkeit. Wenn ein Klassiker das sagt, dann darf ein Dilettant das befolgen, also erforscht der Renegat die ungeklärten Untaten der Vergangenheit, um sie dann seinen damaligen Gesinnungsgenossen zu unterstellen. Wie meinten schon die Alten: Aus jungen Huren werden alte Betschwestern. Jedes weitere Wort ist für die Ergüsse dieses Herrn überflüssig. 

Dienstag, 26. Februar 2013

Sebah und Pantalone


Seit einigen Tagen kränkelt Dottore so rum, Pantalone mag nicht entscheiden, ist er krank oder lustlos oder faul, jedenfalls will Pantalone seine Abwesenheit nutzen, um nochmal zu belegen, dass man Sebah nicht nur lieben kann, wie Dottore es tut, sondern auch aktiv unterstützen muss in seinen Bildern, selbstredend nur die virtuellen, die ins Netz gestellt sind.

Pantalone hatte einen Uraltfreund, Armin, der nach einem etwas bewegten Vorleben zur Ruhe kam und dann in seinem erlernten und darüber hinaus ererbten Beruf tätig war, er hat dem fränkischen Adel die Ölgemälde restauriert. Dabei hat Pantalone ihm einmal ein paar Stunden zugesehen und viel gelernt. Schon Armins Vater machte ähnliches. Die Bilder waren nicht „allererste Sahne“, aber wichtig für die Eigentümer und die gesamte Kultur des Raumes um Bamberg im Barock. Wie nähert man sich Fehlstellen, was macht man gegen den Verzug der Leinwand, welches Stadium der vorhergehenden Restaurierungen wird bewahrt, wie drückt sich der Hersteller des Bildes aus, alles Fragen, die Armin – so empfand Pantalone es – elegant beantwortete.

Alles das fiel Pantalone ein, als er und der bologneser Schlaumeier begannen, im Netz alte Photographien zu sammeln. Pantalone weiß nicht genau, ob Dottore einmal unerwartet Geschmack bewies oder ob er sich nur anpasste, als Sebah zum Liebling erkoren wurde, werden musste. Seitdem grasen beide immer wieder das Netz in allen Google-Länder-Versionen und fremden Suchmaschinen ab, stets auf der Suche nach Bildern von Sebah (& Joallier). Jüngst sind wir in Südamerika reich beschenkt worden, weit über 100 Bilder aus Ägypten waren auf der Seite der „Biblioteca Digital del Patrimonio Iberoamericano“ vorhanden, alle in vorzüglicher Pixelanzahl, wahrscheinlich ein Teil des Nachlasses von Dom Pedro II. Völlig anders war das als die kleinkarierten Darstellungen deutscher Bildquellen, einschließlich der geplanten DDB, die sich insoweit zu Recht auf die ebenfalls kleinliche Website von Europeana bezieht.

Nun ist Pantalone schon so weitschweifig geworden, dass es kaum einen Unterschied zu dem „Gelehrten“ aus Bologna  zu geben scheint, daher nun zur Sache.


Dies Bild ist im Netz ersichtlich, es kann dort im Maße von 3691 x 2837 heruntergeladen werden. Das Bildobjekt ist verehrungswürdig, zeigt es doch das berühmteste griechische Theater in allerdings kaiserzeitlicher Fassung. Die Aufnahme selbst ist grottenschlecht, offenbar hatte Sebah keinen guten Tag. Gegenüber des Skenenaufbaus würde man langsam, aber unaufhaltsam vom Sitz rutschen, auf den seitlichen Sitzen würde man Platz nehmen, wenn man so agieren will, wie Ovid in Ars Amatoria I, 139f. empfohlen hat, günstig wäre es, zu den Parodoi hin zu sitzen, damit sie auf einen zurutscht. Konnte Pantalone bei der Würdigung des ebenfalls schiefen Bildes des Hadriansbogen Sebah noch jüngst Hunger zu Gute halten, so fehlen jetzt doch ob der Nachlässigkeit jegliche mildernden Umstände. Er hat das Bild schlicht vergeigt, nicht im Geringsten auf die Beseitigung der stürzenden Linien geachtet.


Als erstes muss nun die gröbste Verschiebung korrigiert werden, die Randmauer der Akropolis bleibt senkrecht, aber die Tür der Hütte ist noch nach rechts geneigt. Der Zuschauer vorne ist in seinem Oberkörper gestaucht, was wohl kaum zu beheben ist, die Priestersitze in der Mitte verbleiben ebenfalls in unrichtiger Neigung.

Zwar steigt im vorderen Bildabschnitt eine Treppe durch die Cavea, aber sie muss geopfert werden.

Durch die rechtsseitige Verzerrung ist das Gesamtbild etwas gestaucht worden, es wird gestreckt.


Aus dem Ursprungsbild werden beide Unterschriften herauskopiert und eingefügt, die fehlende Ecke unten rechts aus „Bordmitteln“, also aus dem Bild, ergänzt.


Nun muss nur noch die Tür gerichtet werden, dazu wird die rechte Bildseite um ihre Mitte leicht nach außen (unten), bzw. innen (oben) verzerrt. Bildfehler, also solche aus der Herstellung der Ablichtung und dem Scanvorgang, werden beseitigt, noch eine winzige Streckung nach oben links, leichte Erhöhung der Kontraste und: Sebah wäre stolz auf dieses Bild. Daher wird es auch in der bisher einmaligen Größe (3691 x 2568 Pixel) in diesem Blog veröffentlicht. Daher erkennt man auch das unbenutzte Stativ auf dem Bühnenunterbau, dahinter das Zelt, das wohl vom Meister gebraucht wurde. Ganz in der Ferne schimmert das Zappeion durch, der Klassizismus verharrte eben länger in Griechenland.


Heute sieht das Theater von oben gesehen nicht sehr viel anders aus, allerdings nahen sich düstere Gestalten in Form von Anastilisten, aber darüber zu schimpfen bleibt Dottore vorbehalten.


Freitag, 25. Januar 2013

Ägypten 3 – Familienkarren

Als Dottores Liebling, Pascal Sebah, neue Geschäfte witterte, nahm er in Kairo neben viel anderem auch diese Familie auf, die vom Markt nach Hause fährt. Der strenge Vater wurde durch den halbwüchsigen Sohn davon überzeugt, dass es nicht gefährlich sei, sich photographieren zu lassen. Das Bild ist schnell gemacht, die auf dem Karren sitzenden Frauen haben nicht still gehalten. Links ragt das Gewand eines Zuschauers herein, vorne sitzt ein Kind, das Rubens schon Model gestanden haben könnte. Man sieht die Aufbruchsstimmung, nur die gemeinsame Überredung des Sohnes und Sebah hält den Abmarsch auf. Der präsumtive Käufer war sicher, so etwas gesehen zu haben.


Als Felix Bonfils einige Jahre später nach Kairo kam, schickte er seinen Sohn aus, in den Läden der Konkurrenz danach Ausschau zu halten, was denn so liefe. Der berichtete dann, sich an das Bild von Sebah erinnernd, von „Karren mit Menschen“ drauf.


Als der Vater mit der ersten Aufnahme zum Quartier der Familie in Kairo kam, hatte sich gerächt, dass im Französischen Männer und Menschen gleich ausgedrückt werden. Nicht Männer, Menschen sind drauf, mon père! Das bekam Bonfils wieder nicht so richtig mit, schnell eilte er zum Aufnahmeort, er schien Glück zu haben, der Junge mit dem Eselskarren wartete immer noch auf seine Familie. Also wurden „mit Geld und guten Worten“ einige Frauen mit Kindern überredet, auf dem Gefährt Platz zu nehmen, la même procédure comme dernier chaque jour. Nur den Stock musste der Junge weglegen, wie übrigens der Lehrer in der „Häschenschule“, nach dem Motto: nicht das Bewusstsein ändern, sondern politisch korrekt erscheinen .


Auch die armenischen Brüder mit dem arabischen Namen wurden vom Touristengeschäft mit Bildern in Kairo angelockt. Zwar nahm man sich mehr Zeit als der viel ablichtende Franzose, was an den schlafenden Kindern ersichtlich zu sein scheint, aber eine Familie war das auch nicht, der Esel fehlte, der Karren war nach seiner Konstruktion im Grunde nur commod, wenn es leicht bergauf ging, kurz: trotz der aufgewendeten Zeit ein schlecht arrangiertes Bild.


Auch der unbekannte Photograph wollte das Motiv ablichten, nur es geriet ihm besser, weil er nicht kopierte. Auf dem Weg zum Markt mit einigen Truthähnen außerhalb, mehr aber innerhalb der geflochtenen Käfige hielt er den Wagen samt menschlicher Begleitung fest. Das Bild zeigt uns eine freundliche Bauersfrau, die einen Rest an Misstrauen bewahrt hat, eine schüchtern-kokett lugende Tochter und einen seiner Rolle als Verantwortlicher bewussten Sohn. Diesen Menschen möchte man selbst begegnet sein.


Eigentlich müssten sich die griechischen Brüder Zangakoi nennen; wir wissen nie, ob´s Georg, ob´s Constantine aufgenommen hat. Seit dem Bild mit der Kanone in Alexandria, die einen aufgeplissenen Lauf hat, mag Dottore sie. Dieses Bild von ihnen ist auch gelungen. Der pater familias schaut drein wie ein evangelischer  Pastor aus Norddeutschland, die zweite von links nutzt den Umstand, unverhüllt zu sein, und lächelt zur Kamera. Der Wagen ist der komfortabelste, er ist mit einer Unterlage für die Sitzenden ausgestattet. Ob wirklich ein Friedhofsbesuch stattfinden sollte?


Heute huschen die Autos an einem vorbei, man erkennt allenfalls die Marke und den Typ des Fahrzeugs, die Menschen bleiben einem für immer verborgen. Die Geschwindigkeit des Gefährtes vereinsamt Passagiere und Passanten.

Nachtrag (25.06.2013)


Es ist immer nützlich, sich in anderen, entfernteren Teilen des Netzes umzutun, außer anderen Texten findet man auch andere Bilder als diejenigen, die die Googlewelt anbietet. Bei Yandex war das bis dato nie gesehene Bild zu finden, das in diesem Post nicht fehlen darf. Das Bild des unbekannten Photographen wurde sehr grob gescant, Riesenpixel machen sich breit.


Das nächste Bild ist schon gezeigt, Bonfils ist nicht nur bisweilen dem Spott Dottores ausgesetzt, um 1900 wurden seine Bilder zu Vorlagen degradiert, selbstverständlich ohne seine Autorenschaft zu erwähnen. Das von Zürich aus agierende Unternehmen Photoglob war der Sepiafarbgebung überdrüssig und führte die Farbe ins Geschäft der Reisefotografie ein, die durch die Neuerungen des Herrn Eastman begann, überflüssig zu werden. Da aber die Amateure auch nur s-w- Filmmaterial hatten, war die Farbe der letzte Versuch, diese Sparta des Photogewerbes zu retten. Jedoch muss konzediert werden, die Photoglobtrotters haben es gut gemacht, so könnte die Familie ausgesehen haben, nur das Rot des hinter der Deichsel sitzenden Kindes ist zu krass.


Und so darf denn in dieser Galerie nicht Gabriel Lekegian fehlen, zumal seine Photographie eine - unbeabsichtigte? - Mischung zwischen "gestellt" und "Schnappschuss" darstellt. Nun hatte er alles so schön arrangiert, kroch unter sein Tuch und löste aus. Alle hielten gehorsam still, was aber machte die links sitzende Bäuerin? Sie konnte nicht schweigen, kam doch Saida vorbei, der sie unbedingt erzählen musste, dass Djamila doch noch ihren Willen durchgesetzt hatte und Fuad heiraten werde, na, wenn das kein Grund ist!

Nachtrag 09.07.2016

Polt erläutert sehr schön, was nachtragend ist, aber macht schon jeglicher Nachtrag einen zum nachtragenden Menschen? Pantalone beharrt darauf, nachträglich etwas anzufügen, nämlich eine Variante des Bildes 1. Wenn Sebah genug Zeit hatte, noch zwei weitere Menschen auf die Familienkarre hieven zu lassen, dann kann das mit der alsbaldigen Abfahrt doch nicht so eilig gewesen sein! Auch ist das Bild nur in schlechter Qualität überkommen, aber Vollständigkeit ist der Wahn der Sammler. Ergo: