Donnerstag, 13. Juni 2013

Das ausdrückliche Zitat

Die Frankfurter Schulen werfen lange Schatten, nicht nur das „Grand Hotel Abgrund“ hatte seine Epigonen, auch die N.F.S. hat epigeniale Nachfolger, zu ihnen zählt Pantalone die Karikaturistenzwillinge Gresser & Lenz. Sie alleine sind schon Grund genug, bisweilen in die FAZ zu schauen. Der in den tittenfixierten USA begangene mutige Schritt der Angelina Jolie ist zu recht nicht aus der ironischen Weltbetrachtung auszusparen.


Da nun im Gegensatz zum Original personalisiert wurde, ist die diskrete Darstellung angebracht, zumal die Passauer im Elend der Fluten auch einen angenehmen Blick gehabt hätten. Jedoch mangelt es an der Deutlichkeit des Zitates, darum sei dies hier nachgeholt. Wer die Fundstelle wissen will, dem sei gesagt, auch bei einem Zitat aus „Faust“ muss man dem Gebildeten nicht unbedingt sagen, auf welchen Vers man sich bezieht.



Ach, Adele … . 

Freitag, 7. Juni 2013

Kairo 4 Sultan Hassan Moschee und ihr Brunnen

Am östlichen Stadtrand erhebt sich als Vorstufe zu den Moqattamhügeln die sogenannte Citadelle. Zu deren Füßen breitet sich in westlicher Richtung die muslimische Altstadt aus. Noch ans Schienbein gelehnt erhebt sich dort die mit zwei Minaretten versehene Sultan Hassan Moschee.


Wer beim Anblick dieses – natürlich von Sebah stammenden – Bildes vermutet, der Gottesdienstraum sei unter der Kuppel, ist auf die osmanische Kuppelmanie hereingefallen. Denn der Baukörper „Kuppel“ ist eben nicht spezifisch muslimisch, sondern dessen Übernahme  aus der byzantinischen Architektur ist dem Bestreben der Osmanen zu verdanken, sich mit imperialen Bauten auszuzeichnen. An der Pracht der Hagia Sophia konnten sie nur teilhaben, wenn sie an deren Wunder mitwirkten, was dann auch Sinan prächtig konnte. Die Übernahme westlicher Bauformen erstreckte sich bei den Arabern – außer beim Felsendom in Jerusalem – nicht auf religiöse Bauten; die mit Säulen in viele Schiffe unterteilte arap çami war lange Zeit die Leitform, in Kairo an der Amr Moschee am besten zu begreifen. Aber auch an diese Form hält sich die Sultan Hassan Moschee nicht. Der große, mit hohen und massiv wirkenden Mauern  umschlossene Baukörper enthält in seinem Innern insgesamt 6 verschiedene Bereiche:


Die grün markierte Fläche ist die eigentliche Moschee, die vier mit kleinen Räumen ausgestatteten Bereiche sind Rechts- und Koranschulen, der runde, überkuppelte Raum birgt das Grabmal des Stifters und Namensgebers.


Die größte, im Schnittpunkt gelegene Fläche ist im Grunde kein Raum, da er keine Überdachung hat, allenfalls durch die umgebenden Wände und die angrenzenden anderen Bereiche gewinnt er selbst an Saalcharakter.  Die vier an ihn grenzenden Räume sind sogenannte Iwane (oder unter Mitbenutzung des arabischen Artikels Liwane), überwölbte, jedoch nach einer Seite offene Bereiche. Sie gibt es in mesopotamisch/persischen Gebieten spätestens seit der Partherzeit. Diese Bauform, also ein rechteckiger Freiplatz mit bis zu vier angrenzenden Iwanen, ist spezifisch persisch, sie konnte sich nach der arabischen Eroberung im Sakralbau behaupten. Der hellere Fleck im Innenraum auf dem Bild wird von dem Dach des Brunnens gebildet.

270° des Hofes konnte der Fotograf hier zu einem Panorama zusammenbringen, dieser Rundumblick leidet jedoch an dem tiefen Aufnahmepunkt, selbst mit einfachen Hilfsmitteln sind die stürzenden Linien nicht zu beseitigen, aber wenigstens die Außengeraden stehen nun senkrecht. Da die weißen Dreiecke abgeschnitten werden müssen, weil wir uns an rechteckige Bilder gewöhnt haben, wird damit auch ganz rechts ein logenartiger Bauteil wegfallen.


Lekegian hat den rechten Iwan seinerzeit aufgenommen; man kann Mihrab und Minbar sowie diesen eigenartigen Balkon erkennen. Die Gleichheit aller Muslime vor Allah verbietet im Grunde eine Hervorhebung einzelner Gläubiger. Im Osmanischen Reich wurde eine Ausnahme für den Sultan gemacht, zu leicht konnte er in der Masse der übrigen Beter einem Attentäter zum Opfer fallen, also durfte er sich aus Sicherheitsgründen auf den Mahfil separieren. Eine weitere Ausnahme wurde denjenigen zugestanden, die durch Vorlesungen aus dem Koran von der Menge sich unterschieden. Diese nahmen auf dem im Arabischen dikkat al-muballigh genannten Loge Platz, auf dem Bild durften zwei Vorleser oben sitzen.


Die Mitglieder des Sebah-Familienunternehmens haben zu verschiedenen Zeiten immer wieder dieses Brunnenhaus aufgenommen.




Daher hat dann auch Bonfils das Objekt für würdig erachtet, hat aber durch die Lichtführung eine sehr intime Aufnahme geschaffen, offenbar die beste von allen.


Die folgende wird allgemein den Brüdern Zangaki zugeschrieben, sie ist vom fast identischen Platz aus gemacht. Man kann die Unterschiede daran erkennen, wenn man der herabhängenden Schnur in der Mitte folgt: Die arabischen Schriftzeichen des Bandes um das Dach (übrigens bedeuten sie ALLAH) werden an anderer Stelle überdeckt. Auch ist dieses Foto durch das starke Licht von oben banaler.


Das von David Roberts gemalte Bild aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts besticht gegenüber den monochromen Bildern nicht nur durch seine Farbigkeit. Seine Lebendigkeit nimmt einen mit in den abgebildeten Gottesdienst, eine fremde Welt wird einem nah.


Was lag also näher, als durch eine Verbindung der Bilder ein wenig Zauber in das Panorama zu bringen. Der weißbehemdete Tourist verlor noch seinen Scheinbuckel (das Hemd seines Nachbarn!), die überall hin wabernden roten Plastikstühle wurden weggeräumt, die Touristenfamilie verschwand ganz im Torbogen, der Brunnen aus dem lieblichen Bild nahm in der Mitte seinen angestammten Platz ein.



Fotografie kann viel, aber nicht alles.

Frage an den Leser: Wer hat die Unterschiede in der Gestaltung der Fenster im Obergeschoss des Brunnens bemerkt? Auf dem frühesten Bild von Sebah, dem des Malers David Roberts und wieder heute sind es je Seite zwei kleine schmale und zwischen ihnen ein rundes Fenster. Auf den anderen sind jeweils zwei längere schmale Fenster sichtbar. Das Rätselhafte daran ist, dass irgendjemand im 19. Jahrhundert die Fenster ausgewechselt hat, jedoch das marode Dach unrestauriert ließ. Wer weiß mehr?

Wenn man Bilder von Ägypten zeigt, dann dürfen die der Description de l´Égypte nicht fehlen; dieses Buch, eine Mischung aus Bonapartismus und Aufklärung, erschloss Europa die Fülle Ägyptens. Auch in diesem Werk gab es ein Bild des niedlichsten aller ägyptischen Reinigungsbrunnen, das nicht ausgelassen werden soll.

Über die Aberkennung von Auszeichnungen

1.
Horst Tappert hat nicht nur im Film den Chef der Bande gespielt, die den legendären Überfall auf den Postzug organisierte, er gehörte auch in der Realität einer Gruppierung an, die nun wirklich für unrichtiges Handeln sprichwörtlich geworden ist. Das hat in Deutschland lange gedauert. Amerikanische Rechtsvorstellungen mitsamt der amerikanischen Prozessordnung haben es den Deutschen jahrzehntelang ermöglicht, den Nürnberger Prozess als Siegerjustiz abzutun. Jedoch, wenn zuvor keine deutsche Justiz sich mit den Verbrechen beschäftigte, dann müssen es eben die Sieger tun. In diesem Verfahren war die SS insgesamt, mit Ausnahme der Reiter SS und des Lebensborns, als verbrecherische Organisation verurteilt worden. Das sagt nichts aus über ein Mitglied dieser Organisation, zumal einer Untergliederung, der Waffen SS, diese bestand aus Kombattanten, war jedoch zumindest für Kriegsverbrechen berüchtigt. Da Schuld nach kontinentaleuropäischer Ansicht eine personelle Eigenschaft ist, müsste dem „Ehrenkommissar“ vorwerfbares Handeln zumindest nahegebracht werden können, was bei der sowieso dilatorischen Behandlung der Untaten der Nazizeit durch die Justiz wohl kaum möglich sein wird. Die Jahrzehnte währende Verdrängung hat nun – zugleich mit zwei Generationenwechseln – dazu geführt, dass alles, was in die Epoche 1933 bis 1945 fällt, verdächtigt wird.

Man kann allerdings genauso wie auf die Fresse auch auf den Hinterkopf fallen. Wie faschistisch kehrte beispielsweise der Straßenfeger Ferdinand Kunze die ihm zugeordneten städtischen Verkehrsflächen? Was war das zutiefst faschistische seiner Kehrweise? Die aufsehenerregende Arbeit über die „Straßenreinigungskultur 1933 bis 1945“ hat uns darüber die Augen geöffnet. – Dass wirklich in den Köpfen der Historiker Fragwürdiges haust, dafür gibt der ansonsten doch so verständige Ian Kershaw ein Beispiel ab: Er zeigt bares Unverständnis für das Begehren einer Putzfrau des Polizeipräsidiums in München, die im August 1945 Restlohn für April 1945 einfordert, der Dreck des Präsidiums ist für sie doch im August doch genauso wegzuwischen wie im April.

In dem Film „Wir Wunderkinder“ rief  der SA-Mann: „Es brechen neue Zeiten an!“, antwortete der Toilettenmann „Jepinkelt wird immer!“  Wer 1949 nicht den Schneid gehabt hat, allen Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälten des Dritten Reiches die Titel und Pensionen abzuerkennen, weil sie die Euthanasie folgsam nicht verfolgten, gar Jahre später die entsprechende Ermittlungsakte verschwinden ließ, der darf Horst Tappert nicht ungeprüft den Ehrenkommissar streitig machen.

2.
In fremden Ländern herrschen oft Illusionen über die Aufgabe des amerikanischen Präsidenten. Ist ein Kandidat nicht ganz so rechts gewirkt, so wird er sogleich als liberal gepriesen, Dottore hat seinerzeit schon die Begeisterung für Kennedy nicht geteilt. Zu Recht, war er es doch, der den Vietnamkrieg erst richtig entfachte. Ähnlich waren diejenigen, die den Friedensnobelpreis vergeben, im Wahljahr des gegenwärtigen (Wieder-) Amtsinhaber besoffen von der Wahlpropaganda und hielten das Gesäusel im Wahlkampf für das Programm des Präsidenten. Selten ist die Welt so getäuscht worden. Weltweite Tötung von Menschen, die im Arkanbereich zu Feinden erklärt worden waren, sind ebenso „legal“, wie das ununterbrochene Abhören der gesamten Menschheit, soweit sie durch Netzwerke kommuniziert.


Der Nobelpreis wäre von Obama, hätte er nur eine Spur des Anstandes, den man ihm andichtete, umgehend zurückzugeben. Wenn er das nicht möchte, dann kann er den Preis teilen, um die eine Hälfte an „Big Brother“ wegen dessen Überwachungsfähigkeiten, die andere an Josef Stalin wegen dessen paranoider Verfolgungspraxis weiterzureichen.

3.
Das Elbtal hat wegen einer Brücke, die der entsprechenden Kommission missfallen hat, den Status Weltkulturerbe verloren. Nun gibt es im deutschen gar kein „das Erbe“, sondern nur den Nachlass, aber das ist eine andere Geschichte. Grundsätzlich ist daraus zu lernen, dass man derartiger Auszeichnungen verlustig gehen kann.



Seit Jahrzehnten steht ein Zelt über der Stelle, an der sich einst der relativ gut erhaltene Tempel des Apollon Epikurios erhob. Das Zelt schützt seit Anbeginn jedoch nicht den Tempel, sondern einen großen Portalkran, mit dem die Verantwortlichen den Tempel spielzeugartig auseinandernehmen und nach ihrem – natürlich streng wissenschaftlichen – Gutdünken wieder zusammenpuzzeln wollten. Im Zelt ist trotz der Abdeckung alles mit Flugrost bedeckt, der vom Kran stammt, außerhalb des Bauwerks verrotten die Haltegurte und anderen Aufbewahrungsutensilien. Die Steine draußen nehmen es gelassen, die im Innern träumen von einer leichten Rötung, so, als kämen sie vom Pentelikon.

 

Nun hat Griechenland sicherlich anderes zu bewältigen als die Wiedergutmachung einer von Anfang an verwerflichen Anastelosis. Jedoch ist der Status des Bauwerks als Weltkulturerbe nicht nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt, sondern schon seit Jahrzehnten anrüchig. Er ist abzuerkennen, wobei damit nicht ausgeschlossen wäre, ihn zu gegebener Zeit wieder zu verleihen. Zumindest der Flugrost wäre abzusaugen, das schreckliche Zelt einzupacken, der Kran abzubauen, die versetzten Säulen zu stabilisieren, das kann auch ein marodes Hellas machen.  

„Nun hast Du zwar genügend Bilder verwendet, aber es sind doch recht unterschiedliche Größenordnungen vorhanden. Ob Tappert „Honorarkommissar“ bleibt oder nicht, ist gemessen an den Allmachtsrealisierungen eines Obama doch unerheblich. Auch mit dem rostbesäten Tempel kann die Menschheit weiterexistieren. Ich finde, das kann man nicht in einem Post abhandeln!“

„Wahrscheinlich hast Du recht, aber das wunderbare Wechselbild von Obama/Bush hat mich dazu gebracht, einige schon seit längerem dräuende Gedanken niederzuschreiben, auf neudeutsch sagte man dazu „verschriftlichen“, was ein scheußliches Wort bleibt, selbst wenn der andere Nobelpreisträger G.G. es benutzt hat.“


„Du lenkst wieder ab, aber ich merke, Du weißt es schon selber.“

Montag, 3. Juni 2013

Sebah 2013

Das weltweite Netz hatte einen herrschaftsfreien Ansatz, es war fast anarchisch. Jedoch die herrschende Wirtschaftsform nebst Sozialverknüpfung, dazu verbunden mit regionaler Tyrannei, haben dazu geführt, dass immer mehr Einschränkungen um sich greifen, diese Beschränkungen werden als angebliche Rechte uns angedreht. War es vor Jahren noch überall möglich, sich fröhlich schöne Bilder herunterzuladen, so treten zunehmend Okkupationen auf, die früher Freies mit ihrem Herrschaftsanspruch belegen.

Die Library of Congress bietet das nachfolgende Bild seit langem in seiner Galerie an, wer sich daran satt sehen will, kann es herunterladen. Es gibt dabei drei Größen, die mittlere gewährt schon den genauen Blick auf Einzelheiten; diese hat sich Pantalone vorgenommen.


Der Rahmen, mit dem die Quelle die Aufnahme umgeben hat, ist grau-oliv, entbehrlich. Also wird das Bild herausgeschnitten, allerdings bleiben kleine Streifen des Rands vorab erhalten. Eine Anhebung des Kontrastes lässt allerdings auch die Macken des Bildes stärker hervortreten.


Da das zahlreiche Laub auf dem Bild in einer sepiafarbenen Einheitssoße dahinfächelt, ist eine weitere Differenzierung angebracht. Der Himmel ist zum einen von äußeren Schäden übersät (über der Irenenkirche), zum anderen sind die Helligkeitsunterschiede doch sehr beträchtlich und ikonografisch nicht nachvollziehbar.


Es muss also das vorgenommen werden, was Pantalone als „Himmelputzen“ bezeichnet, es ist auf diesem Bild leicht möglich, weil das Laub der Bäume nicht bis zum Bildhorizont reicht, da dann „Goldschmiedearbeit“ nötig wäre. Also wird in einem weiteren Schritt ein Himmelsfarbton angesammelt, und dann die weite Fläche damit gereinigt.


Jedoch muss nun mit erheblich verkleinerten Werkzeugen gearbeitet werden, damit die Struktur der Horizontlinie exakt erhalten bleibt und sich nach der Bearbeitung präzise vom hellen Hintergrund abhebt.


Nachdem dies erreicht ist, geht es konsequenterweise nun an die „inneren“ Macken des Bildes. Bei dieser Retouche sind zwei Arten von Fehlern zu unterscheiden: Schäden, die aus der Behandlung des Bildes in seiner langen Geschichte herrühren (A), Fehler, die bei der Herstellung des Abzuges entstanden sind (B). Ein Beispiel für A ist die kleine weiße Macke, die in dem Laub des Gewächses sichtbar ist, das die Mauer des Serails überwuchert. Die Papiere für die Abzüge wurden noch nicht industriell hergestellt, so sind schon in der Vorlage kleinste Fehler vorhanden, die bei der Belichtung verhinderten, dass es ein makelloses Abbild des Negativs gab, hier haben sich u.a. Körner gehalten, die ziemlich in der Mitte des Bildes sichtbar sind. Im Vordergrund des Bildes ist die Hadschi Beschiraga Moschee zu sehen, im Dach der Abgrenzung zu den dahinterstehenden Holzhäusern und ein wenig links daneben haben diese Unfeinheiten diesem Abzug eine höchst individuelle – negative – Ausgestaltung verschafft. Sie und ihre anderen, kleineren Kumpane waren zu tilgen. Auch wurde das gesamte Bild etwas gestreckt, um die verbliebenen Reste des Rahmens wegfallen zu lassen.


Es steckt nun etwas Arbeit von Pantalone in dem Bild, jedoch rechtfertigt diese nicht, sich nun die Aufnahme anzueignen, denn die Arbeit den wirklichen Autoren ist mit dem heutigen Optimieren nicht vergleichbar, auch wenn die Urheberrechte der längst verblichenen Schöpfer des Bildes auch längst erloschen sind. Das nachfolgende Bild mit der besitzergreifenden Einfügung des Namens ist daher als falsch durchgestrichen.


Was aber machte Photographium?

Offenbar haben sich die dortigen Verwerter von der Library of Congress die große Version heruntergeladen. Auch ihnen fiel der fleckige Himmel auf. Sie haben ihn „auf alt gefleckt“ gereinigt, auch in die kleinsten Zinnen hinein, da ist nichts zu beanstanden. Jedoch die individuellen inneren Macken haben sie nicht beseitigt, ihr Erwerbstrieb hinderte sie daran. Denn sie mussten schnell und nicht sehr präzise die wirkliche Urheberschaft des Bildes verschleiern, Benennung des Bildes und die Aufschrift der Autoren wurden beseitigt. Dafür prangt jetzt ein großes Wasserzeichen, das auf das Unternehmen hinweist. Das ist der moderne Raubtierkapitalismus.


Sicher kann man des geschilderten Ablaufes bei Ph… deswegen sein, weil zum einen die ausführliche Bezeichnung des Bildes durch die Library of Congress übernommen wurde, zum anderen eben deswegen, weil das Bild durch seine inneren Macken individuell bestimmt ist. Wem gehört die Welt? Den Unverfrorenen? Doch hoffentlich nicht.

„Na, Pantalone, sinds nun genug Bilder?"
"Also Dein Text gefällt mir, das muss ich zugeben. Allerdings ist er fern des herrschenden Rechts, wie sollte ich sonst Handeltreiben!“

Samstag, 1. Juni 2013

Gekeife um Suhrkamp

Kuno, Heinrich, Ferdinand und Jürgen sind begeisterte Fußballanhänger. Also hatten sie beschlossen, sich in London das Cup-Finale anzusehen. Da Heinrich und Ferdinand Herzprobleme haben, haben die Vier ein Auto gekauft und wollten mit diesem zum Wembley-Stadion fahren. Jeder hat ein Viertel des Kaufpreises nebst anteiligen Nebenkosten bezahlt. Dem praktischen Jürgen hatten sie beauftragt, alles vorzubereiten, zumal er auch derjenige sein sollte, der das Auto steuert. Drei Tage vor der Abfahrt teilt Jürgen mit, er habe das Auto verkauft, vier Flugtickets noch erhalten, ein befreundeter Internist habe gesagt, die Angst von Ferdinand und Heinrich sei unbegründet, auch habe er keine Lust, in England auf der falschen Straßenseite zu fahren.

So sehen leichte Übungsaufgaben für angehende Juristen aus, hier im Gesellschaftsrecht. Aber es wird keine Frage nach den Ansprüchen der Beteiligten gestellt, sondern eine ethische Vorfrage ist zu beantworten: Jürgen hat sich nach allgemeinem Verständnis selbstherrlich verhalten, er hätte mit seinen drei Freunden vorab reden müssen, der gemeinschaftliche Zweck des Unternehmens ist durch sein Handeln sehr gefährdet, wenn nicht gar unmöglich geworden.

Wir ersehen daraus, nicht derjenige, der ein Unternehmen führt, hat das Sagen, sondern die Gesellschafter bestimmen den Gang des Vorhabens, wenn keine Einigkeit besteht, dann scheitert das Ganze leicht. (Die vier – hoffentlich nicht ehemaligen – Freunde hatten eine Gesellschaft gegründet, da ihr Vorhaben eine gewisse Dauer haben würde, es gab einen Gesellschaftszweck [Reise zum Finale], ein Gesellschaftsvermögen [das Auto], die Gesellschaft hatte einen, der die kleineren Alltäglichkeiten regeln sollte [Jürgen als Geschäftsführer]).

Als die Witwe das Ruder übernahm, hat sie zuerst den Sohn rausgebissen. Dann schien sie längere Zeit damit beschäftigt, ihre spätberufene Religionssucht verlegerisch zu befriedigen. Zwar gab es einen Anteil „Barlach“, das war aber ein Mensch, der weder religiöse Bedürfnisse hatte, noch waren ihm böse kapitalistische Anwandlungen fremd. Er war so unverfroren, auf Erträge für seinen Anteil zu rechnen, da hat er aber auf Granit gebissen! Wie kommt so ein Anteilseigentümer eigentlich dazu, nicht nur ununterbrochen dulden zu wollen. Soll er doch froh sein, dass mit seinem Geld u.a. Kultur fabriziert wird. Die Witwe hat nicht verstanden oder will bis heute nicht verstehen, was eine Gesellschaft ist. Sie als Geschäftsführerin kann doch bestimmen, was sie will, ist sie doch überdies noch Mehrheitsgesellschafterin. 

Die Verkaufserlöse seien benutzt worden, um alte Schulden abzutragen;
wer hat
wann,
durch welche Aktivitäten
welche Schulden angehäuft?
Trotz des ehemals distanziert-kapitalistischen Verlagsprogrammes war es ein Verlag in der gegenwärtigen Gesellschaft, die durch Geld geprägt ist, nicht durch Kultur. Der alte Unseld hat – außer bei dem Schlitzohr Koeppen – immer den Daumen drauf gehalten, er wird vermutlich keinen schuldenbelasteten Verlag  hinterlassen haben. Das allgemeine Unwerturteil über den Gesellschafter Barlach wurzelt in dem Unverständnis der Witwe über das Wesen einer GmbH. Wer Kultur im Zockerkapitalismus machen will, der muss – wie überall sonst auch – mit den Wölfen heulen. Es gibt eben nicht nur kein richtiges Leben im Falschen, sondern Falsches im richtigen Leben.

„Dottore, warum wieder keine Bilder? Übrigens wäre es nicht angemessener gewesen, den Satz: „Jürgen hat sich nach allgemeinem Verständnis selbstherrlich verhalten“ in „Jürgen hat nach allgemeinem Verständnis sich selbstherrlich verhalten“ umzuformen?“